Was Social Media nicht kann

Starke Frauen

Starke Frauen

Gestern wurden wir eindrucksvoll Zeuge, wie man via Social Media Channels voll auf die Nase fallen kann.

Die Tiroler ÖVP veröffentlichte, meines Wissens gestern Vormittag, ein Video, das zu Beginn den Tagesablauf einer „starken Tirolerin“ zeigt (staubsaugen, im Job voll „einehackeln“, Kinder versorgen, den Mann verhätscheln, Sport machen, zu Liebesdiensten bereit stehen, usw.). Anschließend, so in etwa nach eineinhalb Minuten, kommen berufstätige Frauen zu Wort (berufstätige Alleinerzieherin, IT-Expertin, Bäuerin, …). Das gesamte Video dauert in etwa 7 Minuten.

Der Inhalt, den man transportieren wollte, war vermutlich durchaus gut gemeint: Nach einem ironischen Einstieg, der den real existierenden, traurigen Alltag vieler berufstätigen Frauen (nicht nur in Tirol) aufs Korn nehmen sollte, lässt man starke Frauen zu Wort kommen.

Leider war das Video zum einen nicht gut genug gemacht, um dem Rezipienten Witz und Ironie zu vermitteln, zum anderen war es viel zu lang um die Botschaft als ganzes zu überbringen. Die interviewten Frauen ab Minute 2 hatten keine Chance, gehört zu werden, der Durchschnittsbewohner des Social-Media-Dorfes sah das Video nur bis zur ach so lustigen Sequenz „Die Erotische“: „Halbnackte ‚perfekte’ Hausfrau massiert dem biertrinkenden, feinripptragenden Gemahl die Füße“.

Es kam, wie es kommen musste: Kaum war das Video im Netz vertreitete es sich wie ein Lauffeuer; und es brach ein gewaltiger Shitstorm über Facebook und Twitter auf die Tiroler ÖVP ein. Meldungen wie „Frauenbild wie in den 50er Jahren“ waren noch die harmlosesten Kommentare.

Am späten Nachmittag sah man sich seitens der VP scheinbar gezwungen, das Video wieder vom Netz zu nehmen – natürlich viel zu spät: Auf Youtube gibts „Sicherungskopien“ (sh. eine davon als Youtube-Link anbei), Medien (zB. diePresse.com, u.v.m.) haben das Thema online aufgegriffen und werden dem Vorfall wohl auch in Print und TV etwas Platz einräumen. Die Presse spöttelt gar von einem „würdigen Nachfolger des … Bundesheer-Image-Clips“.

Was lernen wir, respektive ich, daraus?

Learning #1: Niemand sieht sich ein viral verbreitetes Video länger als 1 – 2 Minuten an. Botschaften, die bis dahin nicht an den Mann gebracht wurden, werden ignoriert.

Learning #2: Was mal im Netz ist, bleibt im Netz – ab einem gewissen Grad der Verbreitung ist kein Löschen mehr möglich.

Learning #3: Gut gemeint ist zu wenig – wenn eine Tiroler VP so etwas publiziert ist die Wirkung vorhersehbar; ob dies nun gerecht ist oder nicht, sei dahin gestellt.

Learning #4 bzw. „Was Social Media nicht kann“: Ein festgefahrenes Klischee mit einer vordergründig sexistisch anmutendem Augenzwinker-Kampagne zurechtrücken.

Das Video:

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  1. #1 von Ivy am 19. März 2011 - 10:15

    Find ich sehr gut zusammengefasst. Genau diese Überlegung kam mir gestern auch: ich finde das Video viel zu lang. Ich bin mir auch nicht sicher, was die ÖVP mit dem Dings aussagen wollte, um ehrlich zu sein…

  2. #2 von Johannes Steiner am 19. März 2011 - 10:24

    Man kann nur hoffen, dass sie es ein wenig ironisch gmeint haben ;) Wie auch immer: Die Botschaft des Videos war in jedem Falle mehr als potschert platziert …

  3. #3 von burkhard am 15. Juli 2011 - 12:00

    Schade, die Botschaft wäre gut, aber sie ist fürchterlich ungeschickt verpackt. Schade, denn so kann es leider nicht funktionieren. Da sind immer wieder Profis gefragt:-)

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