Gedanken zum Internet-Manifest

Hundertwasser-Therme in Blumau

Hundertwasser-Therme in Blumau

Vor einigen Tagen (oder Wochen?) wurde von einigen deutschen Bloggern bzw. Netzprofis (15 an der Zahl) ein sogenanntes „Internet-Manifest“ in eben dieses gestellt. Es enthält 17 Thesen, scheint – was für ein Manifest etwas eigenartig anmutet – nicht einzementiert, man ist eingeladen, mitzuarbeiten. Bzw. eingeladen ist zumindest jemand, der von den Initiatoren ernst genommen wird; ich schreibe diese Zeilen nur, um zu verstehen, was der Text aussagt …

… der sich hier wiederfindet: www.internet-manifest.de

Ich kleines Licht im Netz versteh ja schon den Titel nicht, denn das Internet ist, wie ich immmer dachte, bzw. wie auch die allwissende (und im Manifest mehrfach erwähnte) Wikipedia festhält, zunächst mal folgendes: „Das Internet (von engl.: interconnected Networks: „untereinander verbundene Netzwerke“) ist ein weltweites Netzwerk bestehend aus vielen Rechnernetzwerken, durch das Daten ausgetauscht werden.“ (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Internet)

Der Text allerdings (ungeachtet seiner Qualität), wie auch der Untertitel „Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.“, spricht vom Informationsaustausch, von Medien, von Meinungen. Dies betrifft aber nur einen Teil dessen, was wir als Internet kennen. Viel mehr scheinen die Inintiatoren das „World Wide Web“ zu meinen („… ist ein über das Internet abrufbares Hypertext-System“ – Quelle: de.wikipedia.org/wiki/World_Wide_Web).

Obschon ich der Idee, die scheinbar dahinter steckt, wohlwollend gesonnen bin (das Netz darf weder durch Politik noch durch Medienimperien kontrolliert werden), und obwohl ich auch demütiger Anhänger einiger der Initiatoren bzw. einiger ihrer Aktivitäten bin (die Blogger-Elite – minus der 15 Initiatoren – teilt diese Ansicht nicht; weder auf Weblogs noch in der von „herkömmlichen“ Medien getriebenen Berichterstattung wird ein gutes Haar an dem Manifest belassen) – stellen sich doch einige Fragen:

  • Weshalb wird ein Manifest im ach so demokratischen Web durch Eliteblogger und nicht durch die Community erstellt?
  • Warum übertitelt man ein derartiges Schriftstück nicht mit einem brauchbaren Titel wie „Manifest des Online-Journalismus“? Wegen des Moments, der Effekthascherei, der Selbstdarstellung?
  • Und wen interessiert das überhaupt? Wohl kaum die Gesellschaft (ist das Internet ist die Gesellschaft) – denn die schert sich einen Dreck drum. Es sei denn, einige wenige netzaffine Zeitgenossen bilden nach metternichscher Manier die „Neue Gesellschaft“ und stehen über dem Pöbel, der immer noch denkt, das Internet ist bloss eine lebenserleichternde Einrichtung sowie eine zusätzliche Informationsquelle oder ähnlich profanes …

Aber ich mag Manifeste.

Nicht das Internet-Manifest vielleicht, mein Lieblingsmanifest ist von Friedensreich Hundertwasser, Gott hab ihn selig. Hier gehts um greifbare Dinge, welche die Menschen wirklich berühren: Ums Bauen, ums Wohnen, um Fenster. Im „Verschimmelungsmanifest“ findet sich folgende Forderung:

„… Ein Mann in einem Mietshaus muß die Möglichkeit haben, sich aus seinem Fenster zu beugen und – so weit seine Hände reichen – das Mauerwerk abzukratzen. Und es muß ihm gestattet sein, mit einem langen Pinsel – so weit er reichen kann – alles rosa zu bemalen, so daß man von weitem, von der Straße, sehen kann: Dort wohnt ein Mensch, der sich von seinen Nachbarn unterscheidet, dem zugewiesenen Kleinvieh! …“ (Quelle: www.hundertwasser.at => Texte => Verschimmelungsmanifest)

Mögen manche den Hundertwasser als Spinner bezeichnen, aber seine Texte, respektive Manifeste, tragen jenen Zorn, jene Ehrlichkeit und jenes Herzblut in sich, dass dem Internet-Manifest für seine Glaubwürdigkeit fehlt.

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